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Eingewöhnungsphase nach dem Infans-Modell

Die Eingewöhnungszeit ist eine wichtige Grundlage für das Wohlbefinden des Kindes bei der Tagespflegeperson. Es handelt sich dabei um die Zeit, in der sich das Kind mit der Tagesmutter, der neuen Umgebung und den anderen Kindern in der Tagespflege vertraut macht. Ich lege großen Wert darauf, dass sich die Mutter immer verabschiedet und nicht heimlich geht. Die Eingewöhnungszeit ist völlig auf meine Tagespflege und eventuellen weiteren Tageskindern, dem neuen Kind und seinen Eltern abgestimmt.

Vor allem für kleine Kinder, bis zum vollendeten 3. Lebensjahr ist der Übergang in die Tagespflege ein einschneidendes Erlebnis. Forschungen haben gezeigt, dass diese Situation besonders hohe Anforderungen an jene Kinder stellt, die im Alter zwischen dem 7. und 24. Lebensmonat mit der Tagespflege beginnen. Kleinkinder können die Tragweite einer Betreuung in Tagespflege noch nicht eigenständig einschätzen.

Damit sie nicht überfordert werden, ist es wichtig, dass die Anwesenheit der Bindungsperson i. d. R. Mutter/Vater gewiss ist. Das Kind braucht diese Person als „sichere Basis“ bei der es Zuflucht und Trost suchen kann, wenn es sich überfordert fühlt. Auch der fremden Umgebung können sich die Kleinkinder besser erschließen, wenn eine Bindungsperson in der Nähe ist, falls sie sich unsicher oder geängstigt fühlen.

Forschungen haben ergeben, dass Krippenkinder, die nicht die Chance, einer von den Eltern begleiteten Eingewöhnungsphase hatten, in den folgenden 7 Monaten bis zu viermal länger krank waren, als Kinder mit einer sorgfältig gestalteten Eingewöhnung.

 

Wie lange dauert eine Eingewöhnungsphase?

Bei den meisten Kindern dauert die Eingewöhnung etwa 14 Tage. Je nach Alter, Temperament und Vorerfahrungen des Kindes sind manchmal auch 3 Wochen erforderlich oder bereits schon 6 Tage ausreichend. Da Eltern aber nicht genau wissen können, wie ihr Kind sich verhält, sollte eine Eingewöhnungszeit von 3 Wochen eingeplant werden. Wichtig ist, dass nach der Eingewöhnung nicht wieder eine Zeit ohne Tagespflege folgt.

 

Wie können Sie als Eltern ihr Kind bei der Eingewöhnung unterstützen?

 „Ohne Eltern geht es nicht“

Konkret geht es darum, dass ein Elternteil das Kind in den ersten Tagen der Eingewöhnung zur Tagesmutter begleitet. Dabei ist folgender Ablauf wichtig:

  •  In den ersten 3 Tagen bleiben Mutter und Kind für ca. 1-2  Stunden bei der Tagespflegeperson. Die Mutter hält sich dabei eher im Hintergrund auf und beobachtet wie sich ihr Kind gegenüber der Tagesmutter und der neuen Umgebung verhält (möglichst nicht lesen oder stricken oder mit anderen Kindern ständig spielen). Das Kind muss das Gefühl haben, dass die Aufmerksamkeit von Mutter /Vater jederzeit da ist.
  • Wenn das Kind zur Tagespflegeperson als „sichere Basis“ kommt, so stellt sie sich als Bindungsperson zur Verfügung und tröstet das Kind, falls es Trost braucht. Ansonsten unterstützt sie seine eigenständige Erforschung der neuen Personen und Umgebung.
  • Am 4. Tag- es sei denn, es ist ein Montag- lässt die Mutter das Kind für eine kurze Zeit (bis max. ½ Std. ) mit der Tagespflegperson allein. Sie ist aber verfügbar, falls das Kind untröstlich sein sollte. Dann wird ein neuer Trennungsversuch erst in ein paar Tagen gestartet.
  • Die Mutter sollte daran denken, ein immer gleiches „Übergangsobjekt“ – Schnuller, Teeflasche, Lieblingstier...mitzubringen und auch beim Kind zu lassen.
  • Die Mutter verabschiedet sich immer freundlich vom Kind, wenn sie geht. Dies ist sehr wichtig, damit sich das Kind sicher fühlen kann. Die Mutter dehnt den Abschied allerdings nicht besonders aus und sagt, wann sie wiederkommt. Sie hält den Termin zuverlässig ein.
  • Die Eingewöhnungsphase ist beendet, wenn sich das Kind von der Tagesmutter trösten lässt.

Dennoch kann es vorkommen, dass das Kind weint, wenn die Mutter sich verabschiedet. Damit zeigt das Kind, dass es lieber bei ihr bleiben würde. Da die Tagespflegeperson nun aber auch eine Bindungsperson ist, wird es sich schnell beruhigen.

Wichtig:                                                                                                                                                                   Sie sollten wissen, dass trotz der bindungsähnlichen Beziehung zur Tagespflegeperson die Eltern immer noch die wichtigsten Bezugspersonen im Leben des Kindes bleiben. Die Tagespflegeperson kann also Ihnen Ihr Kind nicht „wegnehmen“. Das Kind braucht die Gewissheit, dass seine Eltern einverstanden sind, dass es seine Tagesmutter und auch die Kinder in der Tagespflege sehr mag. Denn wenn dies nicht der Fall wäre, würde es in belastende Loyalitätskonflikte geraten.

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